Die Bedeutung des Nachnamens Stern

Allgemeine Vorbemerkungen zur Erforschung von Nachnamen

Einfache persönliche Namen entstanden zweifellos schon bald nach der Erfindung der gesprochenen Sprache, obwohl das genaue Datum ihres ersten Gebrauches unbekannt ist. Für tausende von Jahren waren Vornamen die einzigen individuellen Kennzeichnungen, was damals, als jeder jeden kannte, auch ausgereicht haben dürfte. Erst stufenweise entstand über die Jahrhunderte, mit zunehmender Kompliziertheit der zivilisierten Gesellschaft, eine Notwendigkeit für spezifischere Kennzeichnungen.
Schon in biblischen Zeiten wurden verschiedene Zusätze zum Vornamen benutzt (z.B.: „Joshua der Sohn des Nun“, „Judas von Galilee“). Im altem Griechenland wurden Töchter nach ihren Vätern benannt (z.B.: „Chriseis“, die Tochter von „Chryses“) und Söhne waren normalerweise eine verlängerte Form des Vaters (z.B.: „Hieronymus“, Sohn von „Hiero“).
Mit dem Aufstieg ihrer Zivilisation, entdeckten die Römer die Notwendigkeit von erblichen Kennzeichnungen. Sie erfanden ein komplexes System, wo jeder seinen Vorfahren anhand bestimmter Bezeichnungen nachvollziehen konnte. Es gab jedoch keine exakt korrespondierenden Nachnahmen, bei denen eine familienähnliche Gruppe hätte zugeordnet werden können.
Mit dem Niedergang des Römischen Reiches geriet das System in Vergessenheit und man kam wieder auf primitive einzelne Namen zurück.
Die alten Skandinavier und fast alle Deutschen, hatten nur einzelne Namen, es gab keine Familiennamen (ausgenommen bei den Kelten). Als die Familien- und Stammesgruppen größer wurden, ergab sich die Notwendigkeit für zusätzliche Benennungen. Unter den ersten Zusätzen waren Bezeichnungen wie „der Starke (the strong)“, „der Mutige (the hardy)“, „der Strenge (the stern)“, „der Schreckliche in der Schlacht (the dreadfull in battle)“. Die Nordeuropäischen Länder fügten bald dem Namen des Sohnes den Namen des Vaters zu (z.B.: „Oscar Sohn von Carnuth“ oder „Dermid Sohn von Duthno“).
In England gilt als Datum der Einführung der erblichen Kennzeichnungen ca. das Jahr 1000. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gelten sie als allgemein eingeführt, aber auch 1465 (so ist belegt) waren sie noch nicht allumfassend. Später wurde von Edward V. mit Gesetzen das Annehmen eines Familiennamens angeordnet.
In Deutschland entstand die große Masse der Familiennamen erst im 14. bis 16. Jahrhundert, als vom altdeutschen Namensschatz, dessen Verfall sich im 10. bis 13. Jahrhundert vollzog, nur noch Teile verwendet wurden. Der überwiegende Grundstock der Familiennamen bildeten damals keine altdeutschen Namen aus heidnischen Zeiten sondern vielmehr hebräische, griechische oder römische Heiligennamen der Kirche, die hauptsächlich als Taufnamen benutzt wurden und im Laufe der Zeit eingedeutscht und mundartlich bzw. fremdsprachlich beeinflusst wurden. Die Namensgebung begann in den Städten und setzte sich später in die ländlichen Gebiete fort.

Familiennamen lassen sich meist in vier Hauptkategorien einordnen:

1. Ableitung vom gegebenen Namen des Herrn/Vorfahren
2. Ableitung aus den körperlichen oder persönlichen Eigenschaften
3. Ableitung von Orten/vom Wohnsitz
4. Ableitung von Berufen

Die Namen der ersten Kategorie (Herr/Vorfahre) wurden mittels einer hinzugefügten Vor- oder Nachsilbe gebildet (z.B.: „Sohn des…“). Hierzu gehören die englischen Namen, die mit „-im“ oder „-ing“ enden, das gälische „Mac“, das normannische „Fitz“, das Waliser „ap“ und das irische „O“. So wurden Söhne „Johns“ zu „Johnsons“, oder die Söhne „Reilly’s“ zu „O‘ Reillys“.

Die Zweite Kategorie (Eigenschaften) entstand offensichtlich in erster Instanz aus etwas ähnlichem, was man heute Spitzname nennen würde. So wurde z.B. der starke Peter zu „Peter Stark“, der kleinwüchsige Franz zu „Franz Klein“ oder „Franz Kurz“ und der schwarzhaarige Alfred wurde zu „Alfred Schwarz“. Unter von den vielen Namen dieser Art seien hier nur einig erwähnt: „Lang“, „Klug“, „Gut“, „Stolz“ etc..
Eine dritte Kategorie (Orte), möglicherweise die größte von allen, sind Namen, die sich auf eine Örtlichkeit beziehen. Solche Namen waren in Frankreich recht frühzeitig populär und wurden von den Normannen in England eingeführt. Man fand sie hauptsächlich beim Adel. Sie wurden mit dem Zusatz „de“, „de la“ oder „del“ (bedeutet so viel wie „von“ oder „von der“) geführt. Das sächsische Äquivalent war das Wort „atte (an)“, eingesetzt in Namen wie „atte Brook (an der Brücke)“. Solche Formen überlebten z.B. in englischen Namen wie „Atwell“, „Atwood“ oder „Atwater“.
Später formte sich die vierte Kategorie (Berufe) von Familiennamen. Die ersten Namen dieser Art stammten von amtlichen Bezeichnungen, wie „Bischof“, „Richter“ oder „Kanzler“. Noch später kamen Handwerks- und Handelsberufe hinzu (z.B.: „Weber“, „Schmitt (Schmied)“ , „Gerber“, „Müller“ und „Schneider“.
Die meisten heutige Familiennamen lassen sich in eine dieser vier Kategorien einordnen oder sind zumindest Ableitungen von Namen die einer der Kategorien entstammen.

Die Bedeutung des Nachnamens „Stern“

Diversen Quellen zur Folge stammt der Nachname „Stern“ wohl ursprünglich aus dem heutigen Deutschland. 1142 wurde z.B. ein gewisser „Julius Stern“ erwähnt, 1241 findet der Name „vom Sternen“ bzw. um 1257 „de Sterne“ Erwähnung. 1290 ist ein „Waldheim zum Sternen“ in Basel belegt, wodurch der Name auch von einem Hausnamen (Kategorie 3) abgeleitet sein kann.

Im Jahre 1392 ist der Name „Stern“ erneut als Hausname erwähnt. In die Kategorie 3 fällt auch die in einigen Quellen aufgeführte Ableitung von dem früher häufigen Ortsnamen „Stern„.

Außerhalb der o.a. Kategorien gibt es noch Erklärungsversuche als Vermischung mit dem Namen „Steer“ bzw. als jüdischer Familienname, der wegen des schönen Klanges angenommen wurde.

Auch in England wurde der Name recht frühzeitig (ab 1273) verwendet. Die dortigen Erklärungsversuche deuten meist auf eine Ableitung von den charakteristischen Merkmalen (engl. „stern“ -> „streng“) der ursprünglichen Träger und fällt damit in die Kategorie 2. Der Sohn des „Stern“ wurde zu „Stern’s Sohn“ oder einfach nur „Sterns„. Im Laufe der Zeit bildeten sich viele sprachliche Abwandlungen z.B. „Sterne„, „StarnesStearnes„, „Sternes“ oder „Stearne“ bzw. „Stearn„.

Durch Völkerwanderungen im Verlauf der Geschichte fand der Name „Stern“ und dessen Ableitungen (welt-)weite Verbreitung.

Stammvater in unserer eigenen Namenslinie ist Simon Stern, vermutlich ein Sohn von Lorenz Stern, der 1588, 1589, und 1596 in Bingen-Gaulsheim mit Haus- und Grundbesitz nachgewiesen ist.

Quelle: „Stammbaum von Simon Stern“

Am 22. November 1539 und 1544 zahlen die Erben „zum Stern“ einen Öl Zins an die Brömser in Rüdesheim, woher vermutlich der Name Stern stammt. Wenn auch nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen, so ist doch anzunehmen, dass Gaulsheim der Herkunftsort unserer „Sterns“ ist.

Ergänzende Aussagen zum Familiennamen „Stern“ finden Sie auch bei genealogienetz.de.

Die Verteilung des Nachnamens „Stern“ in Deutschland

Der Nachname „Stern“ kommt in Deutschland insgesamt etwa 3286 mal, in 379 Landkreisen vor. Die absolute Namensverteilung zeigt, wie oft der Familienname „Stern“ in den jeweiligen Landkreisen vorkommt. Die meisten „Sterns“ findet man in der Kreisfreien Stadt Berlin, nämlich genau 180 Einträge. Etwas länger suchen muss man dagegen im Burgenlandkreis, hier wohnen die wenigsten, gerade einmal einer (Metropole können diese Lokalisierung verfälschen):

Namensverteilung Stern absolut

Die relative Darstellung berücksichtigt zusätzlich die Einwohnerzahl im entsprechenden Landkreis. Dadurch verzerren Ballungsräume die Karte weniger, denn wo mehr Menschen leben, wird man auch immer mehr Namensträger finden. Bei der Relativierung wird die Einwohnerzahl gewissermaßen herausgerechnet (normalisiert). Wenn man die Bevölkerungsdichte verrechnet, findet man die meisten „Sterns“ im Landkreis Regen, nämlich 1126 Anschlüsse pro Million Einwohner. Fast verschwunden ist die Familie aus dem Landkreis Warendorf, hier treten pro Million Einwohner die wenigsten auf:

Namensverteilung Stern relativ

Diese Zahlen und Grafiken wurden mit Geogen erstellt, unterliegen der Creative Common Lizenz und basieren auf einer Auswertung von Telefonanschlüssen, was bei der Deutung der Informationen zu berücksichtigen ist. Sämtliche statistische Daten sind Stand 31.12.2002. Mehrfacheinträge (Festnetz, Fax und Handy) gingen nur einmal in die Zählung ein. Die Daten scheinen alt, sind aber eigentlich nicht alt genug, da sie schon voll im Handy-Zeitalter liegen und viele Bürger heute gar nicht mehr in Telefonbüchern verzeichnet sind. Die Verteilung anderer Namen können Sie direkt bei Geogen ermitteln.