Die Obermayers, eine bewegte Familie

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Veröffentlicht: 29. August 2018, aktualisiert: 17. April 2021

Bei meinen Nachforschungen in Blankenloch/Baden bin ich auf eine Vorfahrenlinie gestoßen, die von Oberösterreich in die Fränkische Alb, weiter zur Region um den Hardtwald bei Karlsruhe und zum Mittelrhein gewandet ist. Ein Familienmitglied hat es nach Nordamerika verschlagen.


Die Geschichte – soweit ich sie bisher nachverfolgen konnte – beginnt im “Ländlein ob der Enns”, in etwa das heutige Oberösterreich. Im dortigen Ort Rittberg bei Natternbach im Hausruckviertel, in der damaligen Pfarrei Neukirchen am Wald, lebte die Familie Obermayer, deren Mitglieder – nach der Deutung des Familiennamens – wohl Verwalter bzw. Bewirtschafter eines herrschaftlichen Bauernhofes waren. Die Familie war evangelischen Glaubens.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der folgenden Ausführungen, hier eine Übersicht der dokumentierten Obermayer Nachkommen über elf Generationen…

Im Zuge der Gegenreformation in Oberösterreich wurden die Evangelischgläubigen zunehmend in der Ausübung ihres Glaubens eingeschränkt. Es kam bereits zu ersten Auswanderungen, welche die Obrigkeit durch Sanktionen zu verhindern versuchte.

Mit Mandat Kaiser Ferdinand II. mussten aber ab Oktober 1624 alle nicht katholischen Prädikanten und Schulmeister das Land verlassen. Da einheimische Pfarrer fehlten, wurden italienische Priester in das Land geholt, die häufig nicht Deutsch sprachen und nunmehr katholische Messen in für die Bevölkerung unverständlicher Sprache abhielten. Dadurch kam es zu ersten Unruhen. In Natternbach wurden im Januar 1625 der Dechant Blasius de Livo und der von ihm eingesetzte italienische Pfarrer von einigen hundert Bauern mit Steinen beworfen und verjagt. Obwohl dies zunächst keine Folgen hatte, war das der Beginn weiterer Unruhen die schließlich im Frankenburger Würfelspiel gipfelten und in der Folge 1626 zum Oberösterreichischen Bauernkrieg führten, bei dem die aufständischen Bauern von den österreichischen und bayerischen Truppen in den Schlachten am 9. November 1626 bei Alkoven und am 15. November 1626 bei Pinsdorf besiegt wurden.

Welche Rolle die Obermayers bei den Vorfällen 1625 in ihrem Nachbarort Natternbach – respektive den Bauernaufständen in Oberösterreich insgesamt – spielten, ist nicht bekannt. Der Ort ihrer Pfarrei Neukirchen am Wald wurde am 19. September 1626 in einem Gefecht völlig zerstört. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Epoche nicht spur- und tatenlos an den überzeugten Evangelischgläubigen vorübergegangen sein wird.

Auch in der Folgezeit ging die Gegenreformation verschärft weiter. Den Evangelischgläubigen wurden in ihrer Heimat z.B. die Bürgerrechte verweigert, evangelische Bücher wurden öffentlich verbrannt und sie wurden bei Strafe verpflichtet, am katholischen Gottesdienst und der Fronleichnamsprozession teilzunehmen.

Dies führte dazu, dass viele Evangelischgläubige so sehr mit ihrem Glauben verwurzelt waren, dass sie diesem zuliebe ihre Heimat in Oberösterreich verließen – wobei sie große Teile ihres Vermögens verloren und den Kontakt zu Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn aufgeben mussten. Als “Exulanten” oder auch “Ländler”, wie sie häufig in den Einwanderungsorten bezeichnet wurden, machten sie sich auf den Weg in ein neues Leben. Zu dieser Zeit gab es keine großen Flüchtlingsströme aus dem Hausruckviertel, vielmehr erkundeten zunächst einzelne kleinere Gruppen mögliche Siedlungsorte, um eine Bleibe für die später nachziehenden Familienangehörigen zu finden.

Die durch den Dreißigjährigen Krieg zerstörten und entvölkerten evangelischen Regionen in Mittelfranken waren dabei ein beliebtes Ziel. In die Einwanderungsorte kamen fleißige, anständige und gläubige Menschen, die den Wiederaufbau voranbrachten.

So begab sich auch Wolff Obermayer auf die Reise in diese Region.

Im Buch “Exulanten aus dem oberösterreichischen Hausruck- und Traunviertel in Franken” von Manfred Enzner und Eberhard Krauß ist ein Wolff Obermayer erwähnt, der am 18. Juli 1638 in Theilenhofen Zeuge bei der Trauung von Zacharias Gruber von der Grub in Österreich Pfarrei Neukirchen am Wald mit Eva Bannholtz aus der Pfarrei Engelhartszell war.
Als Herkunftsort des Wolff Obermayer wird dort Rippberg [=Rittberg] in der Pfarrei Neukirchen am Wald genannt.

Im Kirchenbuch von Theilenhofen ist dieser Eintrag nachzulesen…

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Auszug

Neben dem verlinkten Ort Rittberg (heute Ortsteil von Natternbach) gibt es in der Region noch einen weiteren Ort namens Rittberg (heute Ortsteil von Steegen). Letzterer gehörte damals aber nicht zur Pfarr Neukirchen am Wald sondern zur Pfarr Peuerbach.

In den Kirchenbüchern von Natternbach sind Taufen und Trauungen ab 1631, Beerdigungen erst ab 1706 enthalten.

Am 27. Mai 1632 hat dort eine Martha, Tochter von Sebastian Obermayer und Magdalena, den Witwer Hannß Mairle aus Natternbach geheiratet.

Am 27. Januar 1638 wurden Jacob Obermayer aus Rippberg [=Rittberg], Sohn des verstorbenen Simon Obermayer und seiner Ehefrau Brigitte, mit Regina Meyer aus Untermaggau getraut.

Am 11. Februar 1638 fand die Trauung von Bernhard Obermayer aus Rippberg [=Rittberg], Sohn von Andreas Obermayer und seiner Ehefrau Maria mit Magdalena Wirtinger aus Hermatting [=Hörmating] statt…

Im Buch “Exulanten aus dem oberösterreichischen Hausruck- und Traunviertel in Franken” von Manfred Enzner und Eberhard Krauß  ist ein Exulant “Bernhard Obermayer in Bubenheim wohnhaft” gelistet, dessen Herkunft mit “aus Land ob der Enns bei Neukirchen am Wald [siehe Wolff Obermayer]” beschrieben ist. Er hat die Kinder Andreas, Magdalena und Sara.

Diese Angaben finden sich auch im Artikel “Exulanten in den Registern der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Theilenhofen (Dekanat Gunzenhausen)“ von Herta Frank.

Hier die Heiraten seiner Kinder im Kirchenbuch von Theilenhofen

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Dass die Vornamen der Kinder den Vornamen von Ehefrau und Großvater entsprechen, spricht dafür, dass es sich bei den beiden Bernhard Obermayer um die gleiche Person handelt. Der Eintrag im katholischen Kirchenbuch von Natternbach ist im Lichte der Gegenreformation zu betrachten und die “formale” Konfession ggf. temporär gewesen.

Auch in der 1937 fertig gestellten Exulantenkartei von Karl Gröschel finden sich Einträge von Wolff und Bernhard Obermayer.

Der Nachweis, dass es sich bei dem in Theilenhofen genannten Wolff Obermayer tatsächlich um unseren Vorfahren handelt, konnte bisher nicht letztendlich gesichert erbracht werden, der Zusammenhang ist aufgrund der ermittelten Rahmenbedingungen und Zeitlinien aber sehr wahrscheinlich.

Auch wenn zu Wolff Obermayer nichts in den 1631 beginnenden  Kirchenbüchern von Natternbach zu finden ist, erscheint es durchaus plausibel, dass Bernhard sein Bruder und Wolffs Eltern somit Andreas Obermeyer und dessen Ehefrau Maria waren.

Diese Einschätzung wird von Hans Navratil in den “Familienblättern aus der Grafschaft Pappenheim” geteilt.

Die früheste gesicherte Erwähnung der Obermayers ist in Nennslingen am Gründonnerstag (5. April) 1640 dokumentiert. An diesem Tag ist eine Magd “Rosina, Ancilla beim Obermajer” gelistet…

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Am 18. April 1640 wurde in Nennslingen das erste dokumentierte Kind von Wolff Obermayer, namens Leopold getauft – dies könnte der Grund sein, weswegen die Magd am Gründonnerstag alleine zur Kirche gegangen war…

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Wolff Obermayer ist in Nennslingen am 23. September 1640 mit seiner Ehefrau und einer Magd erwähnt…

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Es ist somit davon auszugehen, dass Wolff Obermayer – eventuell mit seiner Ehefrau – vor 1638 aus der Pfarrei Neukirchen am Wald in Oberösterreich ausgewandert ist und sich – vielleicht nach einer Zwischenstation in Theilenhofen – um 1640 in Nennslingen niedergelassen hat (da die Einträge im dortigen Kirchenbuch zwischen 1634 und 1640 überwiegend fehlen, eventuell auch schon einige Jahre früher).

Weitere Obermayers finden sich zu dieser Zeit nicht in Nennslingen. Es tauchen aber die ähnlichen Namen “Obenöder” (aus Obenödt in der Noderbecker [=Natternbach] Pfarrei in Oberöstereich, heute Oberned, Ortsteil von Obertresleinsbach) und “Oberauer” (ebenso aus der Pfarrei Natternbach) auf.

Wolff war zwischen 1641 und 1647 in Nennslingen mehrmals Trauzeuge von oberösterreichischen Exulantenpaaren.

Am 20. April 1649 wurde Georg Obermayer getauft, die nächste Generation in dieser Linie…

Wolff Obermayer wurde am 8. Februar 1662 in Nennslingen begraben…

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Sein jüngster Sohn Wolffgang Obermayer, geboren am 2. März 1652, wurde Bauer und Gerichtsältester. In einem Gerichtsprotokoll vom 30. Mai 1702 ist er aufgrund einer Schlägerei jedoch selbst als Angeklagter erwähnt…

(..) Hans Adam Hoffmann. Müller. Michael Kruchbaum. Beck. Christian Korner. Beckengesell. Gabriel Mittermeier. Bauer und Wolfgang Obermeier. Gerichtsmann [Schöffe], sämtlich allhier. haben sich nächsthin im herrschafllich-Brandenburgischen Wirtshaus bei Matthias Ammersdörfers Wittib [Witwe] miteinander verunwilligt und zu Schlägen kommen, dahero sind die ersten vier jeder pro 45 Kreuzer abgestraft worden. Obermeier aber, als welcher Obigen zur Schlägerei Anlaß gegeben, pro ein Gulden 30 Kreuzer [also das Doppelte]. Samuel Winter aber, welcher sich bei solcher Aktion zum Friedenmachen gebrauchen lassen, jedoch einige Schlag ausgeteilt. für 30 Kreuzer. (..)

Quelle: Hans Deutscher: Marktgemeinde Nennslingen – Band 1: Chronik

Unser Vorfahre Georg Obermayer wurde Taglöhner und Köbler (Kleinbauer) und heiratete um 1680, vermutlich in Nennslingen, eine Maria Großmayer. Die Traueinträge zwischen 1680 und 1684 fehlen im dortigen Kirchenbuch und dort wurde auch kein passender Taufeintrag von Maria gefunden.

Ein Hinweis, dass Maria eine geborene Großmayer ist, findet sich aussschließlich im Taufeintrag ihrer Tochter Kunigunda vom 24. August 1684…

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Im Buch “Exulanten in Stadt und Bezirk Weißenburg und Dekanat Heidenheim” von Karl Gröschel (Hrsg.) ist am 3. Juni 1673 in Nennslingen ein Ferdinand Großmajer, Sohn von Johann aus Lindach im Land ob der Enns erwähnt und auch in dessen Exulantenkartei vermerkt.

Das Buch “Die oberösterreichischen Exulanten im ehemaligen Brandenburg-Ansbachischen Oberamt Stauf-Landeck | Verzeichnis der oberösterreichischen Exulanten im Bezirk des ev.-luth. Dekanats Thalmässing” von Walter Lehnert und Georg Barth führt am 3. Jun 1673 in Nennslingen die Trauung eines Ferdinand Großmajer, Sohn des verstorbenen Johann Großmajers, Schulmeister zu Lindach Bezirk Gmunden im Land ob der Enns mit einer Margaretha Blob auf.

Auch im Buch “Exulanten aus dem oberösterreichischen Hausruck- und Traunviertel in Franken” von Manfred Enzner und Eberhard Krauß ist diese Trauung unter der Pfarrei Laakirchen im Dekanat Gmunden dokumentiert.

Im Kirchenbuch von Nennslingen findet sich der genannte Traueintrag wie folgt…

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Die Proklamation dieser Ehe erfolgte zudem in Thalmannsfeld

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Wenn auch derzeit nicht eindeutig nachzuweisen, kann aufgrund der zeitlichen Zusammenhänge und des gleichen Ortes (Nennslingen) davon ausgegangen werden, dass Maria eine – wohl jüngere – Schwester des Ferdinand war.

In Thalmannsfeld ist 1698 auch der Sohn des Wolff Obermayer namens Leopold im Alter von knapp 58 Jahren begraben worden, ein weiteres Indiz für eine Verbindung der beiden Familien…

Der Sohn Johann Georg Obermayer, getauft am 6. April 1681 in Nennslingen, ist der nächste Vorfahre in dieser Linie…

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Während seine Eltern in Nennslingen verstorben sind, Maria bereits im Alter von 36 Jahren am 10. Juni 1688,…

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Georg, der zwischenzeitlich noch einmal geheiratet hatte, am 28. Mai 1732,…

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…ging Johann Georg auf Reisen.

Am 14. Juni 1712 hat er nach einem Eintrag im Kirchenbuch von Nennslingen in Höttingen eine Maria, geborene Wittmann, geheiratet, die Tochter des Göppersdorfer Köblers Paul Wittmann und Wittwe des am 4. Januar 1712 verstorbenen Höttinger Webers Peter Höhberger und ist offensichtlich nach Höttingen übersiedelt…

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Im Kirchenbuch von Höttingen ist die Trauung bestätigt…

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Einige Angaben zu der ersten Ehe von Maria Wittmann wirken etwas verwunderlich.

Ihr erster Ehemann, Peter Höhberger, ist am 4. Januar 1712 in Höttingen mit 82 Jahren verstorben…

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Als er Maria am 20. Januar 1702 in Höttingen geheiratet hat, war er bereits 72 Jahre alt…

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Seine erste Frau Dorotha hat er am 5. Februar 1661 in Höttingen geheiratet, sie war damals bereits eine Wittwe von Caspar Schmidtlin…

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…und wurde selbst am 2. September 1701 im Alter von 88 Jahren in Höttingen bestattet…

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Ich hatte zunächst die Vermutung, dass der genannte Peter Höhberger der Vater eines weiteren Peter Höhberger ist, meine Suche in den Kirchenbüchern von Höttingen hat aber keinen Hinweis dazu ergeben. Vielmehr wurden gar keine Nachkommen von Peter Höhberger und Dorothea getauft. Sowohl Peter als auch Dorothea tauchen aber zwischen  1661 und 1681 mehrfach als Taufpaten auf.

Über Maria Wittmann konnte ich bisher keine weiteren Angaben herausfinden. Somit bleibt offen, ob sie – was wahrscheinlich ist – viel jünger als ihr erster Ehemann Peter Höhberger war oder Johann Georg Obermayer – vielleicht aus einem materiellen Nutzen heraus – mit 31 Jahren eine sehr viel ältere Frau geheiratet hat.

Jedenfalls hat Maria Wittmann offensichtlich keine Kinder mit in ihre zweite Ehe mit Johann Georg Obermayer gebracht, denn auch die zweite Ehe von Peter Höhberger mit Maria blieb nach meinen Recherchen kinderlos.

Am 29. August 1716 taucht Johann Georg Obermayer bei der Taufe seines Sohnes Hannß Philipp  im gut 200 Kilometer von Nennslingen entfernten Blankenloch bei Karlsruhe auf. Der Taufeintrag weist seine ursprüngliche Herkunft Nennslingen “auß dem Anspachisch Zu Nentzling” eindeutig aus…

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Über den Zeitraum zwischen der Eheschließung in Höttingen bei Nennslingen am 14. Juni 1712 mit Maria, geborene Wittmann und der Ankunft in Blankenloch sowie über die Beweggründe, nach Blankenloch auszuwandern, kann nur spekuliert werden.

Johann Georg Obermayer ist in Blankenloch interessanterweise nicht mit einer Ehefrau Maria, sondern in allen dortigen Einträgen mit einer Ehefrau namens Anna geführt.

Weder in den Kirchenbüchern bzw. im Ortssippenbuch von Blankenloch noch in den Kirchenbüchern von Höttingen bzw. Nennslingen wurden Hinweise zu zwei verschiedenen Ehefrauen gefunden.

Im Internet existieren mehrere Quellen, nach denen Anna eine geborene “Bane” war. Dies stimmt definitiv nicht. Dieser Mythos dürfte von einem Übermittlungs-, Übersetzungs- oder Verständigungsfehler zwischen dem Blankenlocher Pfarrer G. Flecht und dem Verfasser der amerikanischen Obermayer-Genealogie von 1905, John C. Overmyer herrühren. Denn der Inhalt des Schreibens des Pfarrers wird im Buch “Overmyer History and Genealogy 1680-1905” wie folgt wiedergegeben…

(..) that a citizen named John George Obermayer was born at Nentzlingen, in Anspach, Bavaria, in 1680, the day and month not being given, and was married to Ann Bane, date not given, became a citizen of Blankenloch, Baden, some time previous to 1718. (..) John George Obermayer was a weaver by occupation in Blankenloch, and a copy-holder later in Buechig, a suburb of Blankenloch. (.. ) the child(..) John George, born Oct. 27th, 1727 (..) was baptized the day following his birth, October 28th, by John Christian Ebersole, pastor of Blankenloch and Buechig, Baden.  The witnesses of the baptism were John George Bane, a citizen and weaver, Henry Bane, a citizen of Buechig (..). The foregoing data has been copied from the Register of Baptisms, and the Church Records of Blankenloch, Baden. (..) Pastor Flecht, in his explanatory remarks says, “I find in the death records of this parish, that John George Obermayer, the emigrant’s father, died August 12th, 1743, aged sixty- three years, and there is no record of his mother’s death to be found and the supposition was, that after the deat hof her husband, she with her youngest son, emigrated to America, but no such facts can be found in history or tradition, as her name does not appear on the list of passengers that landed with him, neither do we find any mention of her as being with him, in his adopted country, at any time.”

Tatsächlich sind die als “John George Bane” und “Henry Bane” bezeichneten Zeugen der Taufe von Johann Georg Junior (Hannß Jörg) Obermayer als Johann Georg (Hannß Jörg) Raupp und Heinrich Raupp eingetragen…

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Von wem und wieso der Familienname “Raupp” in “Bane” transferriert wurde und wie daraus abgeleitet wurde, dass Anna vermeintlich eine geborene Bane (->Raupp) war, bleibt unerklärt.  Möglich, dass aufgrund der bei den weiteren Taufen der Familie häufig auftretenden, selben Taufzeugen mit dem Familiennamen Raupp darauf geschlossen wurde.

Anna müsste nach der Logik des obigen Textes also eine geborene Raupp sein. Da Raupp ein in der Blankenlocher Region typischer Familienname ist, wenn er auch in Nennslingen vereinzelt vorkommt, wäre ihre Herkunft eher dort, denn in der Nennslinger Gegend zu suchen.

Noa Raupp, der Vater des Taufzeugen Johann Georg (Hannß Jörg) Raupp, hatte in dritter Ehe eine am 16. August 1699 getaufte Tochter namens Anna Maria. Für die These, dass es sich bei ihr um die Ehefrau von Johann Georg Obermayer handelt, die dann bei der Geburt ihres ersten Kindes 17 Jahre alt gewesen wäre, gibt es jedoch keinerlei Belege und auch der Pfarrer Flecht hat seiner Zeit um 1905 offensichtlich keinen passenden Traueintrag in Blankenloch gefunden.

Nach ihrem Bestattungseintrag (siehe weiter unten) wurde Anna um 1684 geboren.

Vielleicht war sie tatsächlich katholisch, wie in einigen Quellen verzeichnet. Dabei ist jedoch zu hinterfragen, ob zu dieser Zeit eine eheliche Verbindung zwischen einem aus einer evangelischen Exulantenfamilie stammenden und bereits in einer vorherigen Ehe evangelisch getrauten Ehemann und einer katholischen Ehefrau vorstellbar wäre.

Im Ergebnis ist anzunehmen, dass entweder in der vierjährigen Spanne zwischen der Heirat in Höttingen und der Geburt des Sohnes Hannß Philipp in Blankenloch, auf dem Weg vom Ansbacherischen ins Durlachische, der Name Maria durch Anna ersetzt oder verwechselt wurde und es sich bei den beiden Ehefrauen um die gleiche Person handelt oder in diesem Zeitfenster auf der Reise bzw. noch in Höttingen – ein passender Eintrag wurde dort aber nicht gefunden – die evangelische Ehefrau (Maria) verstorben ist und Johann Georg Obermayer irgendwo erneut (eine – möglicherweise ursprünglich katholische – Anna) geheiratet hat.

In meinem Datenbestand habe ich Maria und Anna als zwei verschiedene Ehefrauen aufgenommen.

Wie dem auch sei, Johann Georg und Anna ließen in Blankenloch insgesamt sechs Kinder taufen:

  1. Hannß Philipp am 29. August 1716
  2. Maria Catharina am 9. Februar 1719
  3. Anna Maria am 28 Januar 1721
  4. Anna Barbara am 8. Juli 1722
  5. Elisabetha Catharina am 5. September 1725
  6. Hannß Georg Junior am 28. November 1727

Der jüngste Sohn Hannß (Johann) Georg Obermayer ist im Jahr 1751 mit 23 Jahren nach Nordamerika ausgewandert. Über ihn wird detaillierter in einem anderen Beitrag berichtet…

Johann Georg Senior verstarb am 12. August 1743 im Alter von 62 Jahren in Blankenloch

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Dass der Pfarrer Flecht in Blankenloch keinen Bestattungseintrag von Anna gefunden hat und vermutet wurde, sie sei mit nach Amerika ausgewandert, mag daran liegen, dass sie im Alter von 74 Jahren am 27. Mai 1758 in Graben verstorben ist, einem Nachbarort von Blankenloch

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Vermutlich hat sie die letzten Jahre als Witwe dort bei ihrer Tochter Maria Catharina verbracht, der am 9. Februar 1719 in Blankenloch getauften älteren Schwester des Auswanderers Hannß Georg Obermayer…

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Sie ist die nächste Generation in unserer Vorfahrenline und heiratete am 18. Januar 1746 in Graben den dortigen Beisassen bzw. Hintersassen Johann Thomas Nüchter, dessen Familie aus “Breitenborn im Hanauischen” zugezogen war…

Eine 2. Cousine von Johann Thomas Nüchter namens Anna Martha Koller (verheiratete Reitz) wanderte mit ihrer Familie nahezu zeitgleich wie Hannß (Johann) Georg Obermayer nach Amerika aus. Die beiden sind sich dort womöglich begegnet. Auch dazu wird im genannten Artikel näher ausgeführt…

Johann Thomas und Maria Catharina Nüchter lebten fortan in Graben und hatten mindestens drei Töchter, Salome, getauft am 24. Oktober 1746, Maria Catharina, getauft am 17. März 1757 und Catharina Barbara Nüchter, die nächste Vorfahrin in dieser Linie.

Johann Thomas Nüchter wurde am 27 Augus 1769 in Graben bestattet…

Ein Beerdigungseintrag von Maria Catharina Obermayer konnte in Graben nicht gefunden werden.

Die Taufe der Tochter Catharina Barbara Nüchter fand am 7. Januar 1751 in Graben statt.

Catharina Barbara heiratete (wohl vor 1775) einen Christoph Wenz.

Ein Traueintrag hierzu wurde im Kirchenbuch von Graben nicht entdeckt, die Ehe geht aber eindeutig aus dem Eintrag der Taufe der Tochter Magdalena Wenz hervor (siehe unten). 

Der Name Christoph Wenz kommt in Graben zu dieser Zeit mehrfach vor, bei dem genannten Ehemann wird es sich – nach Ausschluss der anderen Optionen – um den am 13. März 1751 in Graben getauften, späteren Webermeister Johann Georg Christoph Wenz gehandelt haben.

In den Kirchenbüchern von Graben wurde ebenso kein Bestattungseintrag einer Catharina Barbara Wenz geb. Nüchter gefunden, lediglich den einer Katharina Barbara Nüchter, die am 11. Februar 1811 im Alter von 60 Jahren bestattet wurde, jedoch als “unverheurathete Beysaßen Tochter von hier” beschrieben ist.

Jeglicher Hinweis auf einen Ehenamen Wenz fehlt…

Im weiter oben gezeigten Taufeintrag zu Catharina Barbara vom 7. Januar 1751 wird auf diesen Bestattungseintrag referenziert.

Dies deckt sich auch mit den Angaben im Taufeintrag von Magdalena, der Tochter von Christoph Wenz und Catharina Barbara, vom 14. Juni 1775…

…und passt zu deren späterem Heiratseintrag mit Christoph Brecht vom 29. September 1802.

Somit kann der Geburtseintrag korrekt zugeordnet werden. Der Bestattungseintrag erscheint aufgrund des Querverweises zum Geburtseintrag, des passenden zeitlichen Kontextes ebenfalls plausibel.

Vielleicht war dem Pfarrer nicht bekannt, dass Catharina Barbara eine Wittwe war.

Christoph Wenz starb bereits am 30. November 1779 im Alter von nur 28 Jahren in Graben

Magdalena, seine Tochter, war da gerade vier Jahre alt.

Wie bereits erwähnt, hat Magdalena Wenz später ebenso in  Graben geheiratet. Sie hatte mit ihrem Ehemann, dem Husar und späteren Bauern Christoph Brecht, zehn Kinder und ihr ganzes Leben in Graben verbracht, bevor sie dort am 22. Dezember 1837 mit 62 Jahren verstorben ist…

Ihr Ehemann Christoph verstarb am 26. Mai 1846 ebenfalls in Graben

Die zweitälteste Tochter Catharina wurde im Oktober 1802 in Graben getauft, zum genauen Tag gibt es widersprüchliche Angaben…

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…und bekam am 19. Januar 1822 in Graben eine uneheliche Tochter von einem unbekannten Vater, die am 21. Januar in Graben auf den Namen Elisabetha getauft wurde und den Nachnamen der Mutter erhielt…

Elisabetha Brecht heiratete am 27. März 1843 in Leopoldshafen Johann Adam Junior, einen Vorfahren aus unserer Stammline Stern…

Sie lebte in Leopoldshafen, wo ihre Mutter Catharina am 9. Februar 1861 im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Diese wird dort bei ihrer Tochter gewohnt haben.

Fortgesetzt wird die Geschichte in der Chronik der Stammlinie Stern (dort ab dem Jahr 1843).


Falls Sie Fehler entdecken oder weitere Informationen zu den genannten Personen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar.


Quellen und Hintergrundlektüre:

Autor(en)TitelVerlag / AngebotJahrISBNAnmerkungen
Bender, Heinz650 Jahre Blankenloch 1337 - 1987Gemeinde Stutensee1987ohne-
Bender, HeinzVergangenheit und Zeitgeschehen. Eine Chronik. Blankenloch, Buechig, Schloss StutenseeGemeinde Stutensee1995ohne-
Deutscher, HansMarktgemeinde Nennslingen - Band 1: ChronikRiedel, Gunzenhausen1998300003868X-
Dussel, KonradGraben - Vom Bauerndorf zur modernen IndustriegemeindeUbstadt-Weiher | Verlag Regionalkultur2006978-3-89735-439-5-
Enzner, Manfred | Krauß, EberhardExulanten aus dem oberösterreichischen Hausruck- und Traunviertel
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Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.
Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, Band 29, Nürnberg
2014978-3-929865-63-9-
Frank, HertaExulanten in den Registern der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Theilenhofen (Dekanat Gunzenhausen)Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.
Blätter für fränkische Familienkunde, Band 17, Nürnberg
1994ohne-
Givaudan, ScottJohann Georg (Obermeyer) Overmire (1727 - 1805)WikiTreelast modified 9 May 2018
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aufgerufen 6. August 2018
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Gröschel, KarlExulanten in FrankenJahrbuch für Fränkische Landesforschung herausgegeben vom institut für Fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen 2, Verlag von Palm & Enke in Erlangen1936ohne-
Gröschel, Karl [Hrsg.]Exulanten in Stadt und Bezirk Weißenburg und Dekanat HeidenheimVerein für Heimatkunde, Weißenburg1935ohne-
Gröschel, KarlExulantenkarteiGesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.1937ohneGFF Exulantenkartei (im Mitgliederbereich)
Lehnert, Walter | Barth, GeorgDie oberösterreichischen Exulanten im ehemaligen Brandenburg-Ansbachischen Oberamt Stauf-Landeck | Verzeichnis der oberösterreichischen Exulanten im Bezirk des ev.-luth. Dekanats ThalmässingGesellschaft für Familienforschung in Franken
Freie Schriftenfolge Band 14, Neustadt/Aich
1962ohne-
Navratil, HansFamilienblätter aus der Grafschaft PappenheimGesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.-GFF-Sign. DA0032-
Overmire, LaurenceCapt John George OvermireFind A Graveadded 23 Sep 2005
aufgerufen 6. August 2018
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Overmyer, Barnhart B. | John C.Overmyer History and Genealogy 1680-1905Chas. S. Beelman, Printer, Fremont Ohio1905ohne-
Rusam, GeorgÖsterreichische Exulanten in Franken und Schwaben. Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte BayernsHerausgegeben vom Verein für bayerische Kirchengeschichte unter verantwortlicher Schriftleitung von Dr. Helmut Baier. 63. Band, Degener, Neustadt a.d. Aisch19893768641252-
Scheidle, Walter AugustOrtssippenbuch Blankenloch - Büchig und dem StudtHeimat- und Museumsverein Blankenloch-Büchig20013-00-008164-X-
Scheidle, Walter AugustOrtssippenbuch Leopoldshafen (Schröck)Eggenstein-Leopoldshafen | Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen2015978-3-00-045372-4-
Autoren, siehe jeweilige VersionsgeschichteExulantennamen im Raume WeißenburgStadtwiki Weißenburg
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